{"id":956,"date":"2026-07-26T07:14:28","date_gmt":"2026-07-26T05:14:28","guid":{"rendered":"https:\/\/komba-vgf.de\/wp\/?p=956"},"modified":"2026-07-26T07:14:28","modified_gmt":"2026-07-26T05:14:28","slug":"mehr-als-genug-flexibilitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/komba-vgf.de\/wp\/?p=956","title":{"rendered":"Mehr als genug Flexibilit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p><strong><span style=\"font-size: 18pt; color: #ff00ff;\">H\u00e4nde weg vom 8-Stunden-Tag!<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Die Bundesregierung plant die Abschaffung des Acht-Stunden-Tages. Laut ihren Pl\u00e4nen sind zuk\u00fcnftig Arbeitstage von bis\u00a0 zu 13 Stunden m\u00f6glich. Es soll keine t\u00e4gliche, sondern nur noch eine w\u00f6chentliche H\u00f6chstarbeitszeit gelten. Die Bundesregierung erarbeitet eine grundlegende \u00c4nderung des Arbeitszeitgesetzes. Das klingt nach mehr Flexibilit\u00e4t. In Wirklichkeit droht eine massive Verschiebung zulasten der Besch\u00e4ftigten. Zwischenzeitlich ist ein Referentenentwurf \u201edurchgestochen\u201c worden. Andreas Hemsing, dbb-Vize und Fachvorstand Tarifpolitik: \u201eIn der Politik und auch der Wirtschaft wird immer wieder behauptet, in Deutschland wird zu wenig gearbeitet. Die hohe Zahl der Kolleginnen und Kollegen, die am Wochenende arbeiten, die in Schichtarbeit t\u00e4tig sind und \u00dcberstunden leisten, weil sie versuchen, das Fehlen von weit mehr als einer halben Million Besch\u00e4ftigten im \u00f6ffentlichen Dienst zu kompensieren, spricht jedoch eine andere Sprache. Der kursierende Referentenentwurf zur Arbeitszeitreform ist tats\u00e4chlich nur ein Versuchsballon. Dass in dem Papier die Tarifpartner als zentrale Akteure zur Gestaltung gravierender \u00c4nderungen beim Thema Arbeitszeit in die Pflicht genommen werden, ist im Sinne gelebter Tarifautonomie nat\u00fcrlich richtig. Da, wo unsere Tarifvertr\u00e4ge gelten, sind manche \u00c4nderungsw\u00fcnsche ohnehin ohne uns nicht m\u00f6glich.\u201c<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #ff00ff;\">Was gilt heute \u2013 und warum ist das wichtig?<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Das Arbeitszeitgesetz sch\u00fctzt Besch\u00e4ftigte durch klare Regeln. Der Acht-Stunden-Tag gilt als Schutzgrenze.<br \/>\n&#8211; maximal acht Stunden Arbeitszeit pro Tag &#8211; Verl\u00e4ngerung auf bis zu zehn Stunden t\u00e4glich ist m\u00f6glich (Voraussetzung: Ausgleich innerhalb von einer Zeit die im Tarifvertrag geregelt ist)<br \/>\nFlexibilit\u00e4t ist damit bereits heute m\u00f6glich \u2013 aber nicht zulasten der Gesundheit.<br \/>\nDie geregelten Pausen- und Ruhezeiten sind verl\u00e4sslich und notwendig. Ab sechs Stunden Arbeit stehen den Besch\u00e4ftigten 30 Minuten Pausenzeiten zu, ab neun Stunden erh\u00f6ht sich das auf 45 Minuten. Zwischen zwei Arbeitstagen stehen mindestens elf Stunden Erholung zu. Das sichert Regeneration und sch\u00fctzt vor \u00dcberlastung. Flexibilit\u00e4t durch Tarifvertr\u00e4ge Schon heute k\u00f6nnen Arbeitszeiten angepasst werden, aber nur durch Tarifvertr\u00e4ge oder aufgrund von Tarifvertr\u00e4gen. Durch tarifliche Regelungen im \u00f6ffentlichen Dienst sind bereits jetzt unter bestimmten Voraussetzungen l\u00e4ngere Arbeitszeiten oder flexiblere Verteilungen m\u00f6glich. Acht-Stunden-Tage k\u00f6nnen durch Bereitschaftsdienst zum Beispiel auf bis zu 16 Stunden verl\u00e4ngert werden. Bei Rettungsdiensten sind sogar 24-Stunden-Schichten m\u00f6glich. Es k\u00f6nnen w\u00f6chentliche Arbeitszeitkorridore von bis zu 45 Stunden und t\u00e4gliche Rahmenarbeitszeiten von bis zu zw\u00f6lf Stunden vereinbart werden. Dabei handelt es sich immer um branchenspezifische und betriebsgenaue L\u00f6sungen. Es ist immer eine Gewerkschaft oder ein Betriebs- oder Personalrat als Sicherheitspuffer zwischengeschaltet. Die Gewerkschaften und Vertretungen der Arbeitnehmenden vor Ort achten dabei immer auf den Gesundheitsschutz. Die Beispiele zeigen deutlich, dass die Gesetzes\u00e4nderung unn\u00f6tig ist. Die Politik sollte sich vielmehr f\u00fcr mehr tarifierte Bereiche einsetzen.<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #ff00ff;\">Was w\u00fcrde sich \u00e4ndern?<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Mit einer reinen Wochenarbeitszeit entf\u00e4llt die t\u00e4gliche H\u00f6chstarbeitsgrenze. K\u00fcnftig z\u00e4hlt nur noch die Gesamtstundenzahl pro Woche. Das aktuell funktionierende System w\u00fcrde zerst\u00f6rt. Die Folgen<br \/>\nf\u00fcr Besch\u00e4ftigte w\u00e4ren l\u00e4ngere Arbeitstage. Die Wochenarbeitszeit k\u00f6nnte auf weniger Tage geb\u00fcndelt werden. Die Folge w\u00e4re mehr Belastung an den einzelnen Tagen und mehr gesundheitliche Risiken. Durch die k\u00fcrzeren Erholungsphasen erh\u00f6ht sich die Unfallgefahr und Dauerstress nimmt zu. Die angeblich freiwillige Flexibilit\u00e4t wird schnell zur Erwartungshaltung. Arbeitgebende k\u00f6nnen l\u00e4ngere Tage leichter einfordern und Besch\u00e4ftigte verlieren eine klare Schutzgrenze. Lange Arbeitstage erschweren Kinderbetreuung, Pflege und soziale Teilhabe.<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #ff00ff;\">dbb-Position<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Aus Sicht des dbb ist das Arbeitszeitgesetz bereits flexibel genug. Die t\u00e4gliche H\u00f6chstarbeitszeit ist ein zentrales Schutzinstrument, einfach zu kontrollieren und unverzichtbar f\u00fcr Gesundheit und Sicherheit! Andreas Hemsing:<br \/>\n\u201eDen Wirtschaftsstandort Deutschland wieder erfolgreicher dastehen zu lassen, geht nur mit einem funktionierenden \u00f6ffentlichen Dienst. Daf\u00fcr muss aber nicht mehr und entgrenzter gearbeitet werden. Auch bei einem Zw\u00f6lf-Stunden-Tag sinken die Z\u00f6lle f\u00fcr den Handel mit den USA nicht und es entstehen dann auch nicht automatisch konkurrenzf\u00e4higere Produkte. Es erscheint daher eher populistisch, wenn nach mehr \u201aFlexibilit\u00e4t\u2018 bei den Arbeitszeiten gerufen wird.\u201c dbb-Forderungen<br \/>\n&#8211; Keine Abschaffung des Acht-Stunden Tages<br \/>\n&#8211; Keine Verlagerung auf reine Wochenarbeitszeiten<br \/>\n&#8211; St\u00e4rkung der bestehenden tarifvertraglichen und betrieblichen \/ dienstlichen Regelungen statt Abbau<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.dbb.de\/fileadmin\/user_upload\/dbb\/pdfs\/mediathek\/tacheles\/2026\/tacheles_7-8_2026.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Aus Tacheles 7\/8-2026<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>H\u00e4nde weg vom 8-Stunden-Tag! Die Bundesregierung plant die Abschaffung des Acht-Stunden-Tages. 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